Er ist im kommen, der Frauenfußball. Bis vor kurzem war er noch nahezu unbekannt oder sogar verpönt aber spätestens seit der Weltmeisterschaft 2003 ist zumindest das Nationalteam bekannt. Aber wie sieht es eigentlich in der Bundesliga aus? Wie sieht so ein Trainingsalltag bei den Profis aus? Warum fangen immer mehr Mädchen mit Fußballspielen an? Und welche Zukunftschance hat der Frauenfußball auch im Hinblick auf die WM 2011?
Lisa K.
Am 17.01.2010 hatte ich einen Interviewtermin mit 5 SC Spielerinnen (Foto), sowie mit der Managerin Birgit Bauer.
Von links nach rechts, Hinten: Ich, Martina Mooser, Myriam Krüger
Vorne: Susanne Hartel, Marissa Brunner, Larissa Hummel
Zur Meisterschaft ein Grillbesteck
Weltmeister, Europmeister, Landesmeister: Frauen sind im Fußball sehr erfolgreich. Das große Geld verdienen die Männer
Es ist Juni, und eigentlich wäre heute ein ganz normaler Sommerabend, wäre da nicht diese Euphorie in der Luft. Durch die Straßen zieht ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer, denn wer keine Stadionkarte ergattert hat, kommt gerade vom Public Viewing aus dem Eschholzpark oder Mensagarten zurück. Die Deutsche Nationalmannschaft hat gesiegt und nun wartet auf tausende Fans eine “rießen Party.” Ganz Deutschland hat sich vom WM Fieber mitreißen lassen, schließlich ist die WM im eigenen Land etwas ganz Besonderes. Auf den Straßen tummeln sich Menschen aus aller Welt- ja man gewinnt wirklich den Eindruck, dass die Welt zu Gast bei Freunden ist.
So wunderschön war die WM 2006 in Deutschland. Ein unvergessliches Erlebnis, dass sich bald wiederholen könnte! Nein, ich rede nicht von der WM 2010 in Südafrika, sondern von 2011, wo wir erneut Gastgeberland eines einmaligen Ereignisses sein dürfen, der Frauenfußball Weltmeisterschaft! Aber wird die WM 2011 wirklich wieder solch ein Sommermärchen werden? Schließlich sind es dieses Mal die Frauen, die um den Titel kämpfen und Frauenfußball lässt sich nur schwer mit dem der Männer vergleichen.
Dennoch, in den letzten Jahren hat sich einiges getan. Immer mehr junge Mädchen wollen Fußball spielen, denn Fußball ist ein schöner Mannschaftssport, bei dem man mit dem Team unvergessliche Momente erlebt. Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es heute in nahezu jedem Verein eine eigene Mädchenabteilung. “Früher war das anders”, weiß die SC Spielerin Martina Mooser. “Ich kickte mit den Jungs zusammen bis ich 14 Jahre war, dann war es nicht mehr erlaubt.” Dies sei für sie keine negative Erfahrung gewesen, denn so habe sie gelernt, sich durchzusetzen und außerdem war dies “eine tolle Zeit”. Auch die SC Spielerin Larissa Hummel stand schon in frühen Jahren auf dem Platz: „ Ich wurde da hineingeboren, da mein Vater und mein Bruder auch kickten.”
Auf die Unterstützung von Freunden und der Familie können sich allerdings nicht alle Mädchen verlassen, denn die meisten Jungs sehen es nicht gern, wenn Mädchen ihnen in ihrem Lieblingssport Konkurrenz machen. Da müssen sie sich dann schon mal auf negative Sprüche gefasst machen. Aber auch die älteren Generationen sind noch immer der Meinung, dass Fußball nichts für Mädchen sei. Dies verwundert kaum, wenn man in Betracht zieht, dass noch 1955 der Deutsche Fußball Bund die Damenmannschaften mit der Begründung, dass “diese Kampfsportart der Natur des Weibes im wesentlichen fremd ist”, dass “Körper und Seele unweigerlich Schaden erleiden” und dass das „Zurschaustellen des Körpers Schicklichkeit und Anstand verletzt“, verbot.
Heute, fast 60 Jahre später ist diese Einstellung natürlich längst überholt, dennoch findet man sehr große Unterschiede im Vergleich mit dem Männerfußball. Die Frauennationalmannschaft bekam für den WM Sieg “nur” 55000 Euro, die Männer erhalten allein für eine WM Teilnahme vom DFB 300000 Euro. Die Stürmerin und U-19 Europameisterin Susanne Hartel vom SC Freiburg brachte die Unterschiede mit folgender Aussage auf den Punkt: „Als ich U-19 Europameisterin wurde, bekam ich als Prämie ein Grillbesteck.” Sie geht sogar soweit und spricht von zwei “komplett verschiedenen Sportarten”. Die Bundesligafrauen trainieren ebenso wie die Männer 5-6 Mal wöchentlich, allerdings haben sie im Gegensatz zu den Männern noch einen zweiten Beruf, denn das durch Fußball verdiente Geld reicht längst nicht aus, um davon leben zu können. Laut Susanne Hartel haben die Männer von allem mehr, mehr Fernsehpräsenz, mehr Sponsoren, mehr Werbeverträge und dadurch letztlich auch viel mehr Geld. „ Das ist alles sehr ungerecht”, findet sie. „Wir haben den gleichen Aufwand, die gleiche Arbeit und unsere Prämien sind ein Witz.”
Dennoch gibt es viele Gründe, warum es sich auch als Frau lohnt Fußball zu spielen. Die Freiburger Torfrau Marissa Brunner nannte einen sehr überzeugenden Grund, sie sagte, für sie seinen die Phasen, die man als Mannschaft zusammen erlebt unvergesslich und sie freue sich über jeden hart erkämpften Sieg, denn jeder Sieg sei „goldwert“. Susanne Hartel bezeichnete die Emotionen beim Spiel und auch schon im Training davor als eines der schönsten Dinge an diesem Sport. Die Mittelfeldspielerin Miryam Krüger, die schon mit 17 zum SC kam, nannte als eines der schönsten Erlebnisse, die der Fußball mit sich bringt das Trainingslager und auch, dass man durch den Teamsport viele neue Freundschaften schließt. Sie war sogar bereit, für diesen Sport ihre Heimat zu verlassen und wohnt nun in einer Athletenwohnung des Olympiastützpunktes Freiburg. „Am Anfang war das für mich schon eine große Umstellung, wenn man alleine wohnt, muss man so viele Dinge erledigen wie zum Beispiel Wäsche waschen.”
Auch Fußball und Schule sind nicht leicht unter einen Hut zu bringen, denn die SC Frauen trainieren auch morgens, weshalb man viel Unterricht verpasst. Aus diesem Grund hat der SC eigene Nachhilfelehrer, die einem bei der Nacharbeitung des Unterrichtstoffes helfen. Aber auch am Wochenende hat man kaum Freizeit, denn häufig ist der SC nach den Auswärtsspielen noch auf der Heimreise, wenn die Freunde schon Party machen. Das findet Myriam Krüger dann schon Schade aber „Ich habe mich für den Fußball entschieden.”
Und diese Entscheidung war völlig richtig, denn neben den bereits genannten Gründen, warum es sich durchaus lohnt Fußball zu spielen, besteht auch Anlass zur Hoffnung, dass der Frauenfußball an Popularität gewinnen wird. Man muss nur einen Blick in die verheißungsvolle Frauenfußball Zukunft werfen, um festzustellen, dass die Weltmeisterschaft 2011 direkt vor der Türe steht und man sich von dieser WM einzigartiges Interesse erhofft. Schon während der WM 2007 in China stiegen die Zuschauerzahlen im Verlaufe des ganzen Turniers erheblich an. Beim Endspiel Brasilien gegen Deutschland in Shanghai verzeichnete das ZDF eine Einschaltquote von ca. 9 Millionen. Bei einem Marktanteil von 50 Prozent heißt das, dass jeder zweite Deutsche das Finale verfolgte. Die höchste Einschaltquote, die das Deutsche Fernsehen bisher erzielen konnte, gelang allerdings beim Männerfußball. Am 4 Juli 2006 lief das WM Halbfinale Deutschland gegen Italien in 31.31 Millionen Fernsehhaushalten, das entsprach einem Marktanteil von 91.2 Prozent.
Immerhin, jeder zweite Deutsche verfolgte auch das Frauen WM Finale und das lässt nun auf 2011 hoffen, vor allem da die WM dann in der Frauenfußball Hochburg Deutschland stattfindet. Martina Mooser drückte ihre Hoffnung folgendermaßen aus: „Die WM 2011 wird die beste WM werden, denn Deutschland ist dafür am besten geeignet. In der Schweiz wäre so eine WM nicht möglich, da wir kaum unterstützt werden, aber Deutschland ist die Frauenfußball Macht schlechthin.” Allerdings bringt die Überlegenheit der Deutschen Frauen -Nationalmannschaft auch negative Effekte mit sich. Die Stimmen, welche lauthals behaupten, die Siege der Frauen seien viel weniger Wert wie die der Männer, nehmen zu. Die Meinung, den Frauen fehlt es an Gegnern, an denen sie sich noch messen können, ist weit verbreitet. Die Nationalspielerin Susanne Hartel sieht dieser Entwicklung jedoch gelassen entgegen: „Ich denke, dass sie Leute, die Frauenfußball schauen, mehr auf unser Passspiel, die Schnelligkeit und die Technik achten. Man kann unser Spiel nicht mit dem des Gegners vergleichen.” Martina Mooser, Schweizer Nationalspielerin warnt die Deutschen jedoch vor zu viel Überheblichkeit: „Wir unterlagen der Deutschen Elf 2007 mit 0:7, 2008 verloren wir nur noch mit 0:3. Dies ist schon ein recht gutes Ergebnis, wenn man bedenkt wie klein die Schweiz im Vergleich zu Deutschland ist”. Außerdem zeigt dieses Ergebnis, das Deutsche Nationalteam darf sich nicht auf dem Weltranglistenplatz Nummer Eins ausruhen, denn die Aufholjagd der anderen Nationen hat schon längst begonnen. Des Weiteren hat die Deutsche Elf laut Martina Mooser ein großes Problem: „ Silvia Neid, die Nationaltrainerin setzt zu sehr auf ihre “alten Hasen”. Der Umschwung muss jetzt gemacht werden, sonst veraltet die Deutsche Nationalmannschaft und wird bald überholt.”
Die Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland verspricht also in jedem Fall ein spannendes Turnier zu werden und vielleicht gelingt uns sogar ein zweites Sommermärchen.
Die Vorbereitungen für die WM 2011 laufen mittlerweile schon auf Hochtouren, der Kartenvorverkauf ist gerade erst angelaufen, schon kann sich der DFB an der regen Nachfrage erfreuen. Das größte Ziel, welches sich der Deutsche Frauenfußball gesetzt hat, gilt jedoch der Nachhaltigkeit. Der große WM Boom soll langfristig anhalten und sich auf den Vereinsfußball positiv auswirken. Auch Susanne Hartel stimmt da zu: „Wichtig ist es, dass die Euphorie und die Emotionen bis in den Bundesligaalltag gelangen” und vielleicht spring sogar ein kleiner Funke der ganzen Euphorie von der Bundesliga auf den kleinen Dorfverein über. Das wäre dann eine unglaubliche Errungenschaft für den Frauenfußball!
Füchsletag 2010 beim SC Freiburg:






Hallo Lisa!
Sie haben das Foto mit den SC-Spielerinnen unbearbeitet im Format 2848×2136 Pixel hochgeladen. Bevor Sie das Foto in den Text einfügen, können Sie seine Größe bestimmen. Dabei hätten Sie die Variante “Groß” mit 610×457 Pixeln wählen müssen, weil die Breite der Texte im Weblog 610 Pixel beträgt. Sie hatten aber die Originalgröße gewählt (siehe oben), was wegen der “Überbreite” zu der ungewollten Darstellung führte.
Bei einem entsprechend großen Foto wird die verkleinerte Variante mit den 610 Pixeln übrigens automatisch generiert. Wenn Sie diese Größe wählen, müssen Sie dem Foto keine Ausrichtung mehr geben. Wählen Sie in diesem Fall bei “Ausrichtung” den Wert “keine” – und das Foto erscheint (wie oben zu sehen) über die ganze Breite Ihres Beitrags.
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