Fertiger Artikel – “Wir gehen hoch zur Feuerwehr”
Wenn ich mich an meine frühste Kindheit zurück erinnere, kommt mir spontan ein fester Satz in den Sinn: “Wir laufen hoch zur Feuerwehr!” Das kommt daher, dass unsere autofreien Spazierwege, am Haslacher Dorfbach entlang, zur Hauptfeuerwache der Freiburger Feuerwehr führen. Die ca. 2 Kilometer dorthin endeten immer mit einem Blick auf die faszinierenden Fahrzeuge, und auf die stets beschäftigten Feuerwehrleute. Für mich gehört die Feuerwehr und ihre Geräuschkulisse, mit Blaulicht und Sirene, zu meinem Alltag. Eigentlich nichts besonderes.
Vor ca. 2 Jahren lernte ich durch meine Freundin ein Mitglied der Jugendfeuerwehr kennen, und so stellte ich mir die Frage, wie kommt man eigentlich in diese Gemeinschaft?
Ganz spontan lud mich mein neuer Bekannter dazu ein, ihn einen Abend lang zur Jugendfeuerwehr Lehen zu begleiten. Natürlich war ich sehr aufgeregt da ich nicht genau wusste was auf mich zukommt. Allerdings bekam ich schon einen kleinen Hinweis darauf, dass es kein trockener Theorieabend werden sollte, durch die Aussage :” Sei froh, dass du uns nicht im Sommer besuchst, sonst würdest du ziemlich nass werden!”
Die Jugendgruppe von etwa 10 Jungs, im Alter zwischen 10 und 14, wird von einem Berufsfeuerwehrmann und 3 Jugendausbildern geleitet. Die 3 Ausbilder, die selbst aus der Jugendfeuerwehr kommen, studieren inzwischen oder drücken sogar noch die Schulbank. Es sind junge Leute, die diszipliniert genug sind, um die Jungs zu motivieren eine ernstzunehmende Sache spielerisch zu erlernen.
An diesem Abend sollten die Jungs folgende Aufgabe bewältigen. Zwei von ihnen wurden mit einem Funkgerät ausgestattet und bekamen 5 Minuten Vorsprung um “Ziellos” in Lehen herumzuspatzieren. Die Übrigen wurden in 2 Gruppen mit jeweils einem Leiter aufgeteilt, um die beiden Ausreißer zu orten. Bei diesem Spiel lernten die Jugendlichen sich ordnungsgemäß über Funk zu verständigen. Wie kompliziert diese Verständigung wirklich ist, war mir bis zu diesem Abend nicht klar.
“Florentine Gemetz an Florentine Huber kommen”
-”Florentine Gemetz kommen”
” Bitte aktuellen Standort durchgeben” …
Ich verstand nur Bahnhof. Doch für die Jugendlichen war es ein ziemlicher Spaß sich in vollkommener Dunkelheit und -2 °C durch den Schnee zu kämpfen. 2 Stunden vergingen wie im Flug und am Ende der Lektion konnten sich alle sehr gut über den Funk verständigen. Sogar ich.
Zwischendurch hatte ich immer mal wieder die Gelegenheit, den Ausbildern Fragen zu stellen, wie sie sich zum Beispiel ihre Zukunft vorstellen. Für mich war es verblüffend zu erfahren, dass sich die Mehrheit der Ausbilder für einen Beruf innerhalb der Feuerwehr interessieren. Sei es als Berufsfeuerwehrmann oder auch als Arzt oder Sanitäter. Klar wird, dass sich die Jungs der Feuerwehr sehr für das Allgemeinwohl sorgen und soziales Interesse zeigen. Natürlich ist es letztendlich egal welchen Beruf sie später wählen, denn in jeder Bewerbung lässt es sich gut sehen, wenn man als Jugendlicher ein solches Engagement zeigt. Mit einem gewissen Stolz tragen die Jugendlichen ihre Feuerwehruniform, die den Leuten zeigt, dass sie einer guten Gemeinschaft angehören und sie sich dadurch in ihrem Tun bestätigt fühlen.
Mein Bekannter kam durch den Tag der offenen Tür der Feuerwehr Lehen zu dieser Gruppe. Andere Feuerwehren werben mit direkten Briefen an die Haushalte, deren Kinder das Mindestalter von 10 Jahren erreicht haben oder durch das Internet. Am besten ist aber immernoch die Mund zu Mund Propaganda, um neue Mitglieder zu werben. Doch hier frage ich mich: Ist Werbung für die Feuerwehr wirklich nötig? Vielleicht um Jugendliche anzusprechen, die mit ihrer Freizeit nichts anderes anzufangen wissen als vor dem Computer zu sitzen oder fern zu sehen. Die Jugendfeuerwehr macht Jugendliche fit für den eventuellen späteren Beruf. Zum einen steigen ca. 40% der heutigen Jugendfeuerwehrleute in die freiwillige Feuerwehr ein, zum anderen ist es eine sehr gute Vorbereitung auf jeden erdenklichen Beruf. Hier lernen sie, in Stresssituationen die Ruhe zu bewahren und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie werden nicht zu Übermenschen ausgebildet aber dennoch zu klar denkenden und gut strukturierten jungen Menschen.
Die Berufsvielfalt innerhalb der Feuerwehr ist sehr weit gefächert. Angefangen bei Einsatzleuten, die in Notsituationen die Lage überblicken müssen wie zum Beispiel Brände löschen, Keller auspumpen, Tiere retten oder bergen, Sturmschäden beseitigen und allem voran natürlich Menschen retten. Hier kommt des öfteren ein Psychologe zum Einsatz, der auch zu einem “Feuerwehrteam” gehört. Oder die vielen Sanitäter, die die Ärzte vor Ort unterstützen.
Jeder Feuerwehrmann muss unbedingt Erste Hilfe leisten können und auch leisten. Stets müssen diese Männer/Frauen immer auf dem aktuellsten Stand sein, was die Erste Hilfe angeht. Das wiederum zeigt uns, dass man bei diesem Beruf nie auslernen kann. Apropos dazulernen. Natürlich ist es bei der Feuerwehr Pflicht, an ständigenFortbildungen und Neuerungen für den Brand-, bzw. Katastrophenschutz teilzunehmen. Nicht nur die Berufsfeuerwehren, sondern auch die freiwilligen Feuerwehren sind dazu verpflichtet sich ständig neu zu beweisen, indem sie an Übungen undLöschaktionen aktiv teilnehmen. Die Sicherheit aller Menschen muss durch eine zuverlässige Feuerwehr gewährleistet sein.
Bei der Feuerwehr sind nicht nur die Berufe der körperlichen Hilfestellung gefragt, sondern natürlich auch Handwerksberufe jeglicher Art. Automechaniker sind ebenso wichtig wie der Elektriker oder Elektroniker, der mit neuester Technik die Einsätze über Computer steuern kann.
Was unter anderem auch zum Beruf Feuerwehr gehört ist, dass sie Aufklärungsarbeit für die Öffentlichkeit, wie zum Beispiel in Schulen und Haushalten, abhalten müssen. Hier bringen sie den Menschen bei, wie sie Brände vorbeugen können und wie sie sich bei Bränden verhalten müssen um dadurch auch indirekt Leben retten zu können.
Trotz des Zeitalters der Emanzipation kann man feststellen, dass der Beruf in der Feuerwehr weiterhin ein typischer Männerberuf ist und höchstwahrscheinlich auch bleiben wird. Die körperliche Leistung, die einzusetzen ist um diesen Beruf ausüben zu können, ist für Frauen oft zu schwer. Das ist eine biologische Tatsache.
Tatsache ist auch, dass neben einer körperlichen Fitness die Psyche sehr gut trainiert werden muss. Ständig müssen die Einsatzleute tote Menschen bergen, schrecklichste Unfälle hautnah miterleben und ihre Gefühle in diesen Momenten komplett ausblenden können, um für ihren Einsatz klar denken und handeln zu können. Emotionen sind in diesen Augenblickenfehl am Platz. Was aber nicht automatisch heißt, dass die Einsatzleute kein Mitgefühl mit den Opfern und Angehörigen haben. Sehr oft müssen sich auch Feuerwehrleute in psychologische Behandlung begeben, um das Erlebte zuverarbeiten.
Dennnoch ist die Tätigkeit als Feuerwehrmann ein anstrebenswerter und Zukunftsorientierter Beruf.
Auch heute noch “laufe ich hoch zur Feuerwehr”, wenn ich der Fitness zu liebe ein Joggingrunde drehe, oder wenn ich mich morgens mit meinem Fahrrad auf den Weg zur Schule mache. Die Feuerwehr gehört nach wie vor zu meiner täglichen Wahrnehmung, aber inzwischen sehe ich sie aus einem ganz anderen Blickwinkel. Ich bewundere die Menschen, die täglich ihr Leben für andere aufs Spiel setzen um ihnen zu helfen. Und angefangen hat das bei vielen schon bei der Jugendfeuerwehr.
Hallo Marie! Zu der von Ihnen angeführten “biologischen Tatsache” (auf die ich bei der Textbesprechung nächsten Mittwoch eingehen werde) hier ein paar Links zum Thema, die eine simple Internet-Suche ergab:
Feuerwehrverband
Netzwerk Feuerwehrfrauen
Frauen an den Brandherd
Die beiden ersten Quellen sind (Vorsicht Kalauer!) “brandaktuell”. Die dritte stammt sogar schon aus dem Jahr 2007. Grüße!